Daniel Kehlmann “Ruhm”
Posted in Roman on March 10th, 2009 by Ana – Be the first to comment„Ein Erzähler operiert mit Wirklichkeiten.“ Daniel Kehlmann („Wo ist Carlos Montúfar?“)

Ruhm Daniel Kehlmann
Einige Literaturwissenschaftlicher wollen Daniel Kehlmann als Vertreter des magischen Realismus in einer Reihe mit Größen wie Alfred Kubin, Leo Perutz oder Gabriel Garcia Márquez genannt wissen. Ob der „Vermesser der Welt“ dort gut aufgehoben ist, wird erst sein Gesamtwerk entscheiden, das mit dem im Januar erschienenen Roman „Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten“ wieder um ein Stück reicher wurde.
In Ruhm spielt Kehlmann Spiegelkabinett, so der Klappentext. Die Handlung ist auf neun Menschen bezogen, die neun Schicksale haben. Neun Leben, neun Fiktionen, neun Wirklichkeiten werden im Laufe des Buches durch Verknüpfungen zu einer Geschichte. Das Weben einer Handlung aus mehreren Plots ist keine Erfindung Kehlmanns, dennoch funktioniert es in „Ruhm“ einmal mehr perfekt. Ob das an der Technik an sich, oder einzig an den Fähigkeiten des Schriftstellers selbst liegt, bleibt dem Leser von „Ruhm“ überlassen. Fakt ist, dass Daniel Kehlmann hinter dem wenig „schwergewichtigen Roman“ (Neue Zürcher Zeitung) die eigene „Virtuosität“ (FAZ) mit Fragen nach dem Zerfall der Identität in der modernen Zeit ebenso in Verbindung bringt, wie mit den immer aktuellen Theorien um Schicksal, Zufall und eine alles verbindende Kraft.
Dabei verknüpft Daniel Kehlmann in Ruhm nicht nur seine Figuren zu einem Ganzen, er lässt sich auch Anspielungen auf die ganze Literaturwelt nicht nehmen und manche Rezensenten wollen darin sogar eine ironische Anspielung auf die Literatur an sich erkennen. Ob das zutrifft oder dieser bedeutungsschwangere Ansatz auch auf „herkömmliche“ Intertextualität reduziert werden kann, wird angesichts der unterhaltenden Schreibe nichtig.
Daniel Kehlmann: Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten.
Rowohlt Verlag
ISBN-10: 3498035436
ISBN-13: 978-3498035433
18,90 € (gebundene Ausgabe)